Trends in der deutschen Biotechnologie-Branche 2012

BIO Deutschland e.V. und transkript

Gute aktuelle Lage, aber gedämpfte Erwartungen für 2012:
Branche behauptet sich trotz knapper Finanzen mit Produkten

Berlin (16. Januar 2012) – Trotz einer günstigeren Einschätzung ihrer aktuellen Lage gehen die deutschen Biotech-Unternehmen mit gedämpftem Optimismus in das Jahr 2012. Die Branche macht sich mit Produkt- und Dienstleistungsmodellen zunehmend unabhängig von Wagniskapital. Das ergab eine Umfrage des Branchenverbandes der Biotechnologie-Industrie, BIO Deutschland, in Kooperation mit dem Branchenmagazin |transkript. Die Ergebnisse dieses Branchenbarometers werden heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Frühindikatoren lassen einen konstant wachsenden Beschäftigungsaufbau bei leicht sinkenden F&E-Ausgaben erwarten. Parallel dazu sinken die Erwartungen an die zukünftige Geschäftslage. Wie das Biotechnologie-Nachrichtenmagazin |transkript zudem ermittelte, flossen im abgelaufenen Jahr rund 141 Mio. Euro frisches Kapital in deutsche Biotechnologie-Unternehmen (Vorjahr 650 Mio. Euro).

Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der BIO Deutschland, bilanziert: „Die krisenerprobten deutschen Biotechnologie-Unternehmen haben sich erstaunlich gut an die Finanzmittelknappheit angepasst. Sie arbeiten weiter an der Entwicklung neuer Produkte und werden dabei zunehmend profitabel.“

Die deutschen Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage günstiger ein als noch vor einem Jahr. Der entsprechende Indexwert stieg leicht im Vergleich zum Vorjahr von 95 auf 96 Punkte. Die zukünftigen Erwartungen sind allerdings gedämpft (2010: 98 Punkte, 2011: 92 Punkte). Geht es nach den Erwartungen der mehr als 1.000 befragten Unternehmen, werden auch im kommenden Jahr neue Arbeitsplätze geschaffen (konstant 95 Punkte). Allerdings könnten die F&E-Investitionen leicht sinken (2010: 96 Punkte, 2011: 94 Punkte). Entsprechend hat sich die Einschätzung der aktuellen politischen Rahmenbedingungen in Deutschland verschlechtert. Der politische Stimmungsindex sank um drei Punkte auf 88 Punkte; noch nie glaubten so viele Unternehmen, dass sich auch künftig das politische Klima nicht ändern wird. Ebenfalls fielen die Einschätzungen der aktuellen politischen Lage schlechter aus. Der Wert sank auf 94 Punkte (Vorjahr: 97 Punkte).

Andreas Mietzsch, Herausgeber von |transkript: „Die deutschen Biotechnologie-Unternehmen werden erwachsen. Mit eigenen Produkten haben sie bereits weite Teile der industriellen Wertschöpfung erobert und werden zunehmend profitabel.“

Viola Bronsema, Geschäftsführerin der BIO Deutschland kommentiert: „Den Biotechnologie-Unternehmen ist ihre Rolle als wichtiger technologischer Impulsgeber für die deutsche Industrie bewusst. Anscheinend aber nicht der Politik, die konsequent die Notwendigkeit eines innovationsfreundlichen Klimas für den Mittelstand in Deutschland ignoriert.“

Die Indexwerte im Einzelnen:

  • Erwartungen zukünftige Geschäftslage: -6 Punkte auf 92 Punkte (Vorjahr: 98 Punkte)
  • aktuelle Geschäftslage: +1 Punkt auf 96 Punkte (Vorjahr: 95 Punkte)
  • F&E-Investitionsindex: -2 Punkte auf 94 Punkte (Vorjahr: 96 Punkte)
  • Beschäftigungsindex: konstant bei 95 Punkten (Vorjahr: 95 Punkte)
  • aktuelle politische Rahmenbedingungen: -3 Punkte auf 94 Punkte (Vorjahr: 97 Punkte)
  • zukünftige politische Rahmenbedingungen: -3 Punkte auf 88 Punkte (Vorjahr: 91 Punkte)

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Die Ergebnisse der Trendumfrage 2011/2012

Über diese Umfrage:
Zum mittlerweile sechsten Mal in Folge haben BIO Deutschland und |transkript etwa 1.300 Biotechnologie-Unternehmen und branchenspezifische Dienstleister befragt. 225 von ihnen haben den Fragebogen in diesem Jahr zurückgesandt. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Stimmungsbarometers die Entwicklung des laufenden Jahres vorherzusagen. Die Berechnung und Ermittlung der Indexwerte erfolgt ähnlich der vom IFO-Institut angewandten Methodik. Im Wesentlichen repräsentieren die Werte die Differenz zwischen positiven und negativen Antworten. Die Werte sind auf die Ergebnisse des Jahres 2006 normiert (=100 %).

Einschätzung der aktuellen Geschäftslage leicht verbessert (n = 225)

  • Finanzierungslage bleibt schwierig
  • neue Umsatzmodelle greifen
  • wenige Insolvenzen
  • 95 % beurteilen ihre Lage als gut oder befriedigend

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Zukünftige Geschäftslage etwas ungünstiger eingeschätzt (n = 225):

  • unsichere Konjunkturlage für 2012
  • viele Unternehmen müssen 2012 wieder Geld aufnehmen
  • 8,5 % beurteilen ihre Lage als ungünstig (2010: 3,9 %)

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Beschäftigungslage stabil (n = 225)

  • fast 60% der Unternehmen wollen neue Jobs schaffen (2010: 60 %)
  • Outsourcing von Pharma-F&E hält an
  • nur 4 % möchten Arbeitsplätze abbauen

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Weiterhin F&E-Investitionsbereitschaft (n = 225)

  • 56 % lassen ihre Investitionen konstant (2011: 48 %)
  • geringfügige Abnahme des Anteiles, der die F&E-Ausgaben erhöhen möchte (von 46 % auf 40%)
  • Finanzierungskrise lässt Unternehmen vorsichtiger werden

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Ungünstigere Einschätzung des politischen Klimas (n = 225)

  • Unsicherheiten in der Biotechnologie-Förderung
  • aber etwa 80% finden das politische Klima befriedigend bis gut

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Erwartungen an zukünftiges politisches Klima sinken (n = 225)

  • noch nie glaubten so viele, dass sich nichts ändern wird (60 %. 2006, zu Beginn der Umfragen waren es noch 40 %)

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Über BIO Deutschland:
Die Biotechnologie-Industrie-Organisation Deutschland (BIO Deutschland), mit 280 Mitgliedern – Unternehmen, Bioregionen und Branchen-Dienstleister – und Sitz in Berlin, hat sich zum Ziel gesetzt, in Deutschland die Entwicklung eines innovativen Wirtschaftszweiges auf Basis der modernen Biowissenschaften zu unterstützen und zu fördern. Dr. Peter Heinrich ist Vorstandsvorsitzender der BIO Deutschland.

Weitere Informationen unter: www.biodeutschland.org

Über |transkript:
Das Life Sciences-Magazin |transkript berichtet monatlich über die Biotechnologie im deutschsprachigen Europa. Im nunmehr 18. Jahrgang erscheint |transkript im BIOCOM-Verlag und hat sich anerkanntermaßen als die führende Fachzeitschrift etabliert, die Biotechnologie in Wirtschaft, Gesellschaft und fachlicher Anwendung thematisiert.

Weitere Informationen unter: www.transkript.de

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