Unternehmerisch denken, nachhaltig handeln, biotechnologisch produzieren

Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe aus klimatischen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen ist nicht immer ohne weiteres möglich. Aus Sicht von Beschaffern für globale Wertschöpfungsketten wäre es daher ein Traum, die Nutzung natürlicher Rohstoffquellen reduzieren zu können bzw. sie durch Produktbestandteile zu ersetzen, die nachhaltiger gewonnen werden können. Dieses Ziel verfolgt der Unternehmer Jens Klein, der mit seinem Startup Insempra auf Biotechnologie setzt. Mithilfe von speziellen Hefen und Bakterien in nativer und in gentechnisch veränderter Form produzieren die im Innovationszentrum Biotechnologie (IZB) in München angesiedelten Spezialisten natürliche Inhaltsstoffe wie Aromen, Duft- und Konservierungsstoffe sowie hochwertige Lipide für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Textilindustrie.

„Wir möchten mit einem handverlesenen Team die regenerative Revolution vorantreiben und mit biotechnologischen Methoden im industriellen Maßstab Substanzen herstellen, die bisher aufwändig aus begrenzten Ressourcen unseres Planeten gewonnen werden mussten“, erläutert Geschäftsführer Jens Klein.

Beispiele sind Lipide, die herkömmlich aus Pflanzen extrahiert, oder bestimmte Polymere, die auf klassischem chemischem Weg aus fossilen Energieträgern synthetisiert werden.

Basis für biotechnologische Herstellungsprozesse sind Mikroben, die unter guten Bedingungen in großen Fermentern Produkt liefern. Das Konzept hat 2023 eine Gruppe von Investoren so überzeugt, dass sie eine Zusage für eine zwanzig Millionen US-Dollar schwere Risikokapital-Finanzierung gaben. Mit dem frischen Kapital hat das Münchner Unternehmen seine innovative Technologieplattform ausgebaut und wird die Produktion hochwertiger biobasierter Inhaltsstoffe und damit nachhaltiger Alternativen in industriellem Maßstab vorantreiben.

Insempra steht darüber hinaus mit seinem Projekt BioTeasure (2024) in der zweiten Runde des von der Bundesagentur für Sprunginnovation SPRIND ausgerufenen Wettbewerbs Circular Biomanufacturing. Ein zehnköpfiges Expertengremium hat rund 1500 Projektskizzen erhalten und daraus acht Vorhaben ausgewählt, darunter BioTreasure.  Hierin hat es sich das Team um Luisa Gronenberg, Leiterin der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Insempra, zur Aufgabe gemacht, Polymere biotechnologisch aus Hefen herzustellen, die zum Beispiel für Nylon verwendet werden können. Im Kern geht es darum, aus kohlenstoffhaltigen Abfall- und Reststoffen mit biotechnologischen Methoden neue Produkte zu generieren. So werden die Hefen beispielsweise mit Zuckern aus einem Lysat von Pflanzenresten aus der Land- und Forstwirtschaft gefüttert. Darüber hinaus kommen sie mit Speiseölresten und sogar mit Bestandteilen aus der Zersetzung alter PET-Flaschen aus. „Die genügsamen Organismen sind damit ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit“, unterstreicht Jens Klein.

Insempra

Insempra ist ein Biotech-Unternehmen, das es anderen Unternehmen ermöglicht, mit Hilfe der Natur hochwertige Produkte herzustellen. Durch die Kombination von Biowissenschaften und Technologie entwickelt und skaliert das Unternehmen von Natur aus nachhaltige Inhaltsstoffe, die Marken dabei helfen, ihre Produkte zu transformieren und ihre Abhängigkeit von petrochemischen und extraktiven Lieferketten zu verringern.

insempra.bio

Bei der biobasierten Herstellung von Lipiden und Geschmacks- sowie Duftstoffen ist Insempra schon weiter. Hier hat das Unternehmen 2023 marktreife Produkte für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie hervorgebracht, darunter alpha-Ionone, ein Himbeeraroma, und einen biotechnologisch hergestellten Phenyl-Ethyl-Alkohol, der bisher entweder aus Rosenblättern oder petrochemisch produziert wird. Diese Inhaltsstoffe sind Bestandteile von Konsumgütern des täglichen Bedarfs und werden an Kunden weltweit vertrieben. Auch arbeitet das Unternehmen als Teil eines internationalen Konsortiums an der Herstellung von Bio-Melanin, ein Hautpigment, das die Haut vor Sonnenbrand schützt.

Jens Kleins Unternehmensidee entsprang nicht direkt der akademischen Forschung. Er war bis 2021 CEO von AMSilk, dem ersten Anbieter von biotechnisch hergestellter Seidenpolymere weltweit. Aus dieser Erfahrung heraus war ihm klar: Wenn Biotechnologie einen echten Unterschied machen soll, muss sie industriell gedacht und angewendet werden, das heißt skalierbar, finanziell attraktiv für Hersteller und Kunden und damit bereit für den Markt sein. Das war die Geburtsstunde von Insempra oder Origin.Bio, wie das Unternehmen zunächst hieß. Heute arbeiten rund 40 Expertinnen und Experten aus mehr als 15 Nationen im IZB in Martinsried mit viel Leidenschaft und Know-how daran, neue Maßstäbe für Biobasierte Innovation zu setzen. Die Umgebung des IZB weist viel inspirierende biotechnologische Expertise in den benachbarten Instituten und Unternehmen auf; auch die Nähe zu Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für Biochemie, der Technischen Universität München und der Ludwig-Maximilians-Universität München ist wertvoll. Finanzverständnis bringt Jens Klein aus einer Vielzahl von Tätigkeiten mit; darüber hinaus leitet er zusammen mit Dr. Holger Reithinger, Senior Advisor beim Risikokapital-Dienstleister Forbion, die Arbeitsgruppe „Finanzen und Steuern“ bei BIO Deutschland.

Redaktion: Dr. Claudia Englbrecht englbrecht@biodeutschland.org, Dr. Monika Mölders-Felgenhauer Monika.Moelders@t-online.de