Experte für personalisierte Wirkstoffherstellung
Peptide sind Ketten von Aminosäuren, die potenzielle Wirkstoffe für verschiedene Therapieansätze darstellen. Ursprünglich basierten Peptidarzneistoffe auf Hormonen oder Peptiden aus natürlichen Quellen. Zu den bekanntesten gehört das Hormon Insulin zur Behandlung von Diabetes Mellitus oder das Immunsuppressivum Cyclosporin. Auch die als GLP1-Analoga bezeichneten Wirkstoffe der verschiedenen „Abnehmspritzen“ sind Varianten eines natürlichen Peptids, des im Verdauungstrakt gebildeten Peptidhormons Glucagon-like-Peptide, mit einem Unterschied: Sie wurden synthetisch entwickelt.
Als Hersteller von synthetischen Peptiden ist die Intavis Peptide Services GmbH (INTAVIS) ein wichtiger Player im Bereich der personalisierten Krebstherapie und der Impfstoffentwicklung. Das Unternehmen bietet seiner internationalen Kundschaft als Contract Development and Manufacturing Organization (CDMO) maßgeschneiderte Peptide und umfassende Dienstleistungen.
CDMOs sind Vertragshersteller und -entwickler, die von pharmazeutischen Unternehmen beauftragt werden, wenn diese die dazu notwendigen Ressourcen nicht selbst bereitstellen können oder wollen.
Im Jahr 2002 in Köln gegründet, wurde INTAVIS 2008 Teil des Hightech-Unternehmens HB Technologies AG und baute in der Folge unter der Leitung von Dr. Steffen Hüttner sein Profil als Peptid-Spezialist immer weiter aus. Heute ist die 2019 ausgegründete INTAVIS mit Sitz in Tübingen ein wichtiger Partner für die wissenschaftliche und medizinische Gemeinschaft der peptidbasierten Arzneimittelforschung – hier wie dort inspiriert von der hohen Dichte an wissenschaftlicher Exzellenz von Persönlichkeiten in Forschungsinstitutionen, Startups und Unternehmen.
Grundlage für den Erfolg waren zwei Peptid-Testlabore in Köln und im Technologiepark Heidelberg. Darüber hinaus kooperierten die Spezialisten eng mit dem NMI in Reutlingen (Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen), das ebenfalls eine auf die Peptidsynthese spezialisierte Forschungsgruppe hatte. Alle drei Peptid-Gruppen wurde später als INTAVIS am Standort Tübingen konsolidiert. Die Zielsetzung der Expertinnen und Experten war es, Forschern und Ärztinnen und Ärzten die benötigten Werkzeuge kundenspezifisch und hochqualitativ an die Hand zu geben, um das volle Potenzial von Peptiden in der Grundlagenforschung, in der präklinischen Forschung und in klinischen Studien auszuschöpfen.
Einen wichtigen Finanz- und Innovationsschub markierte der Eintritt neuer Gesellschafter in den Jahren 2021/2022. So sind, neben der HB Technologies AG mit Dr. Steffen Hüttner als Firmeninhaber, auch Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Dirk Biskup, Gründer der CeGaT GmbH, einem weltweit agierenden Anbieter genetischer Analysen, sowie Dr. Klaus Maleck, seit 2019 Vorstandsmitglied von BIO Deutschland, und weitere Anteilseigner an INTAVIS beteiligt. Heute arbeiten dort rund 60 Mitarbeitende und bedienen mit ihren Peptid-Produkten Forschungsinstitute, Kliniken und Praxen sowie Biotech- und Pharmaunternehmen. INTAVIS bietet Kunden darüber hinaus Beratung zu regulatorischen Fragestellungen und unterstützt sie bei allen Phasen der Arzneimittelentwicklung und -zulassung für Peptide – von der Grundlagenforschung über die präklinische und klinische Entwicklung bis hin zur Zulassung und kommerziellen Produktion.
Peptide werden für Forschungsanwendungen in einer anderen Qualität produziert (non-GMP) als für therapeutische Anwendungen. Hierfür sind Produktionsanlagen nach GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice) erforderlich, die in Tübingen gebaut wurden und derzeit zur Zulassung vorbereitet werden. Die Zulassung wird für das Jahr 2026 angestrebt.
Ziel ist es, „Wirkstoffe für individualisierte Krebsbehandlungen in ausreichender Schnelligkeit, Qualität und Quantität herzustellen“, sagt INTAVIS-Geschäftsführer Dr. Steffen Hüttner, der das Unternehmen gemeinsam mit dem Mitgesellschafter Alexander Paasch führt.
Rund 20 Millionen Euro sind für die Produktionsanlage investiert worden – Geld, das auch dank des Engagements der neuen Anteilseigner zur Verfügung steht. Hier werden in Zukunft unter anderem Peptide für die Krebstherapie hergestellt, die die zelluläre Immunabwehr dazu anregen sollen, gegen Krebszellen aktiv zu werden. Erste vielversprechende Ergebnisse zum Beispiel bei der Behandlung des Glioblastoms, eine aggressive Form von Hirntumor, sind bereits dokumentiert.
Das technische Know-how von INTAVIS ist breit. Im Fokus stehen die Herstellung und Analytik von Peptiden und den zugehörigen Formulierungen. Durch die enge Kooperation mit Molekularbiologen und Onkologen spielt das Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer peptidbasierter Therapieansätze.
Redaktion: Dr. Claudia Englbrecht englbrecht@biodeutschland.org, Dr. Monika Mölders-Felgenhauer Monika.Moelders@t-online.de