Pharmadialog der Bundesregierung zum Schwerpunkt „Technologietransfer und Translation“

Zu Beginn der dritten Sitzung der hochrangigen Runde des Pharmadialogs der Bundesregierung am 4. November erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG), Sabine Weiss, dass die Treffen auf dieser Ebene für diese Legislaturperiode beendet und die angesprochenen Themen nun auf Fachebene weiterbearbeitet werden. Sie führte dann in die anstehende Sitzung ein und sagte, dass die Pharma- und Biotechindustrie sehr innovativ und dynamisch sei, und dass der Standort Deutschland zu den wichtigsten Forschungs- und Innovationsstandorten weltweit gehöre. Oft fehlten allerdings im akademischen Bereich und in der Grundlagenforschung vertiefte regulatorische Kenntnisse, um frühe Ideen effektiv voranzubringen. Andere Regionen in der Welt würden aufholen. Es komme deshalb darauf an, funktionierende Translationsprozesse zu schaffen und zu fördern. 

Im Programmblock des Bundesforschungsministeriums beschrieb Stefan Uhlig, Professor an der RWTH Aachen, in seinem Impulsvortrag die Probleme bei der Translation aus Sicht der Akademie. Die Universitätsmedizin sei sehr leistungsstark in allen Forschungsphasen und in der Durchführung von klinischen Studien. Was fehle, sei eine Finanzierung zur Überbrückung des „Valley of Death", der Bereich zwischen Erkenntnisgewinn in der Vorklinik und die erste Erprobung eines Therapiekandidaten am Menschen. Die Chance für eine wirtschaftliche Nutzung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung nehme nach einer erfolgreichen Proof-of-Concept-Studie (Phase I) deutlich zu. Die Akademie bot der Industrieseite an, außerhalb des Pharmadialogs zum letzten Thema zu einem Workshop zusammenzukommen.

In der anschließenden Diskussion wurden die folgenden Themen besprochen: eine Verbesserung der Qualität der Grundlagenforschung, die Erkenntnis der wirtschaftlichen Bedeutung der Translation, ein Kulturwandel in der Zusammenarbeit von Akademie und Industrie sowie eine Verankerung der Translation in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Im Programmblock des Bundeswirtschaftsministeriums gab Horst Domdey, Geschäftsführer der BioM Biotech Cluster Development GmbH, einen Impuls zu „Innovationsförderung in den Lebenswissenschaften: das Stiefkind in der deutschen Förderlandschaft“. Er führte aus, dass der institutionelle Technologie-Transfer an Universitäten und Forschungsinstituten verbesserungsbedürftig, und die Gründungspotenziale in Deutschland unterentwickelt seien. Er machte deutlich, dass gerade in den Bereichen Pharma und Biotechnologie bestehende Förderungen ausgelaufen sind oder gekürzt wurden. Zur Verbesserung der Situation schlug er eine Reihe von Kooperationsmodellen und möglichen Förderansätzen vor. Von Seiten des BMBF wurde mitgeteilt, dass das frühere Förderprogramm GO-Bio in veränderter Form als GO-Bio-Initial neu aufgelegt wird. Abteilungsleiter Winfried Horstmann erklärte für das BMWi, dass es bereits eine Reihe technologieoffener Förderprogramme gebe, die weiter genutzt werden könnten. Darüber hinaus sei man dabei, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital weiter zu verbessern. Dazu sei man unter anderen mit der Versicherungswirtschaft und mit dem Bundesfinanzministerium im Gespräch, um Möglichkeiten für anlagesuchendes Kapital zu schaffen.

Für die Industrie regte Oliver Schacht, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland, an, mehr Erfolgsgeschichten zu erzählen, um Gründungsbegeisterung zu wecken und das Gründungsklima zu verbessern. Er begrüßte den Einstieg in die steuerliche Forschungsförderung und wünschte sich eine weitere internationale Harmonisierung des Patentrechts. Zudem machte er deutlich, dass neben dem „Valley of Death“ im Anschluss an die Grundlagenforschung ein weiteres bestünde, wenn es um die Wachstumsfinanzierung in Deutschland gehe. Er würdigte die vom BMWi ins Leben gerufenen Förderansätze und sagte, dass es gelingen müsse, mehr Investoren zu gewinnen.

Den abschließenden Programmblock des Bundesgesundheitsministeriums eröffnete der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Gebhart mit dem Hinweis, dass das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits heute wichtige Unterstützung bei der Translation leisteten. Er begrüßte auch die Vereinbarung aus dem Pharmadialog zu gemeinsamen Beratungen mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). In einigen Bereichen gebe es eine Vielzahl neuer Arzneimittel. In anderen Bereichen wie Antibiotika leider nicht. Hier würde von Seiten der Bundesregierung auch auf europäischer Ebene über eine Nachjustierung der Anreizsysteme beraten.

Anschließend setzte Klaus Cichutek, Präsident des PEI, einen Impuls zu „Unterstützung der Arzneimittelentwicklung durch die Zulassungsbehörden: Versorgung mit sicheren und wirksamen Arzneimitteln". Er betonte vor allem, dass Marktzugangsverfahren heute sehr flexibel, aber auch sehr komplex geworden seien. Die beste regulatorische Kompetenz liege hier bei den Zulassungsbehörden. Die deutschen Zulassungsbehörden und auch die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) böten vielfältige Beratungsmöglichkeiten auch für Akademie und Start-ups. Arzneimittelentwicklung sei ein langer Prozess. Was heute im Bereich der frühen Beratung gut gelinge, zahle sich in zehn bis 20 Jahren aus.

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