Positionspapier des BIO Deutschland e. V. „Finanz- und steuerpolitische Handlungsempfehlungen zum Koalitionsvertrag“

09.07.2025

„Wir werden Deutschland zum weltweit innovativsten Chemie-, Pharma- und Biotechnologiestandort machen […]. Die Biotechnologie wird als Schlüsselindustrie gefördert und ihre Anwendungen werden regulatorisch erleichtert, auch mit Blick auf die neuen genomischen Techniken. Gründungen in diesem Bereich werden wir über bessere Bedingungen zur Mobilisierung von Wagniskapital unterstützen“, so heißt es im Koaltionsvertrag von CDU/CSU und SPD aus dem April 2025. Das kann nur gelingen, wenn Politik und Verwaltung die besonderen Anforderungen der Branche verstehen, die richtigen Weichen stellen, und Startups und KMU damit ein in Europa wettbewerbsfähiges Finanzierungsumfeld vorfinden, in dem sie schnell und bedarfsgerecht wachsen können.

Executive Summary

Biotechnologie-Unternehmen vereinen Ingenieurskunst und Biologie zum nachhaltigen Nutzen für Mensch und Natur. Die Branche selbst unterscheidet sich sowohl, was Geschäftsmodelle als auch Rahmenbedingungen anbelangt oft von den klassischen Pharma- und Chemie-Industrien und bedarf deswegen speziell zugeschnittener Rahmenbedingungen. In Kapitel 1) erläutert das Papier wo die deutsche Biotechnologie-Industrie steht, wie der internationale Wettbewerb aufgestellt ist und welche Geschäftsmodelle innerhalb der Branche anzutreffen sind.

Das Papier formuliert konkrete Handlungsempfehlungen zu fünf Themenbereichen.

  • So muss in Deutschland dringend die Verfügbarkeit von Chancen- und Wachstumskapital für KMU verbessert werden. Hierfür bedarf es auch verstärkt des Engagements von institutionellen und privaten Anlegern,
  • Im Bereich der EU-Regulatorik bedarf es sowohl Vereinfachungen (bspw. KYC-Regeln für Investoren) wie auch Neuerungen (bspw. europäischer Börsenplatz).
  • Um Talente und Fachkräfte in Deutschland zu halten oder aus dem Ausland zu gewinnen, bedarf es Verbesserungen am Start-Up-Ökosystem, insbesondere einer praxisnahen Lösung für eine echte Mitarbeiterkapitalbeteiligung.
  • Projektförderung in Deutschland muss neu gedacht werden; es bedarf einer Überarbeitung des KMU-Begriffs, der Regelung für sog. „Unternehmen in Schwierigkeiten“, weiterer Verbesserungen der Forschungszulage und einer Stärkung des ZIM-Programms.
  • Bei den Steuerpolitischen Maßnahmen kommentieren wir sowohl die jüngsten Änderungen im Rahmen des Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm, machen aber auch konkrete Vorschläge zur Mindestbesteuerung.

Kapitel 2) bezieht sich auf konkrete Passagen des Koalitionsvertrages, wohingegen in Kapitel 3) darüber hinausgehende Anregungen formuliert.

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